Verweis: Bruno Latour & diskret/stetig



Stutzen bei diesem tweet von @adloquii – wie schreibt man »wie ein Deutscher«, wie schriebe man »wie ein Franzose«? Wie schreibt man stilistisch einer sprache gemäß, das aber unabhängig vom gebrauch der sprache? Auf einwand und nachfrage reagierte Michael mit einem video:



Meine reaktion (auch video):



Ich beziehe mich auf den film von Jim Jarmusch (2016) (imdb).

Die Blumenberg-verweis findet sich in Die Beschreibung des Menschen (stw 2091), aus d. Nachlaß hrsg. v. Manfred Sommer, Frankfurt/M. 12014, 13–15:

Ernst Mach hat am 16. April 1886 auf der Tagung des Deutschen Realschulmännervereins in Dortmund einen Vortrag »Über den relativen Bildungswert der philologischen und der mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer der höheren Schulen« gehalten und dabei über das Verhältnis von Selbstinteresse und Weltinteresse des Menschen gesagt: Gewiß geht den Menschen zunächst der Mensch an, aber doch nicht allein. Dieses ›Zunächst‹ verflüchtigt sich unter dem Druck der anerkannten Übermächtigkeit desjenigen Gegenstandes, der der Mensch eben nicht selbst ist, den zu durchdringen er geradezu auf sein Selbstinteressse, auf seinen Zentralwahn verzichten muß: Wenn wir den Menschen nicht als Mittelpunkt der Welt ansehen, wenn uns die Erde als ein um die Sonne geschwungener Kreisel erscheint, der mit dieser in unendliche Ferne fliegt, wenn wir in Fixsternweiten dieselben Stoffe antreffen wie auf der Erde, überall in der Natur denselben Vorgängen begegnen, von welchen das Leben des Menschen nur ein verschwindender gleichartiger Teil ist, so liegt hierin auch eine Erweiterung der Weltanschuung, auch eine Erhebung, auch eine Poesie! Vielleicht liegt hierin Größeres und Bedeutenderes als in dem Brüllen des verwundeten Ares, in der reizenden Insel der Calypso, dem Okeanos, der die Erde umfließt. Über den relativierten Wert beider Gedankengebiete, beider Poesien, darf nur der sprechen, der beide kennt!

Die eigentümliche Konsequenz dieses gegen den Bildungshumanismus gerichteten Pamphlets besteht nun darin, daß die Welt nicht nur den Menschen auch beschäftigen soll, wie es in der These vorausgeschickt worden war; entscheidend wichtiger ist, daß ihm in dieser Auch-Beschäftigung das Maß eröffnet wird, in welchem er sich wichtig nehmen darf. Wir sehen den Menschen nicht als Mittelpunkt der Welt an, ist das Resultat dieses Aufblickens von den Büchern der Griechen auf das Universum. Akzeptiert, aber mit welchem Recht darf daraus gefolgert werden, dann könne oder dürfe der Mensch auch nicht der Mittelpunkt seines eigenen Interesses sein?

Hier steckt eben doch wieder die alte, oft genug bestrittene Voraussetzung, es sei dem Menschen mittels seiner Stellung in der Welt etwas vorgezeichnet und mitgeteilt, und zwar vorzugsweise, von welchem Gewicht er sich selbst zu sein habe. Wie hat man sonst zu verstehen, daß uns die Erde, als ein um die Sonne geschwungener Kreisel, mit dieser in unendliche Ferne zu fliegen scheinen soll?