Kritik oder Spiel?

AW:Re:AW:AW*

Lieber Stéphane,

Ja, dieselbe aussage von dir könnte ich kritisch lesen oder wie eine reihe von pitches – aber auch: ja, die beobachtete blogeinleitung könntest du kritisch lesen oder wie einen pitch; weiter: die antwort auf »manifest« könntest du kritisch lesen oder als eine reihe von pitches. Und ich gebe dir ganz recht, daß man meine erwiderung an dich als »erwiderung« beobachten kann; aber eben auch nicht muß…

Aufgefallen ist mir ja – ich beziehe mich jetzt auf die antwort, wo ich das manifest als »manifest« beobachtet habe – aufgefallen ist mir, daß ich erstmal in eine widersprüchliche bedrängnis komme: Ich könnte nun sagen (und habe ich über Telegram), daß du ganz recht hast, daß das ganz dumm ist, es so zu tun, und man sollte es anders tun; aber dann nehme ich eben deine beobachtung als kritik: »das war falsch und müßte anders gemacht werden.« Ich könnte es als reihe von »pitches« nehmen: »warum machst du es nicht mal so?« Ja, klar, kann ich mal so machen – aber du könntest die einführung mit einem unterlassen von verweisen nicht als bekennende (und damit kritische form), sondern als versuch beobachten: »Übrigens leut’, die sache steht hier so …« Und schon bin ich wieder bei der kritik; müßte also schweigen mit einem: »Joa, stimmt…« oder würde in einem spiegelspiel landen: »Warum machst das nicht so?« »Warum denkst du, ich würde es so machen? Sieh das dochmal so?« »Warum siehst denn mein letztes jetzt so und nicht so?« … usw. …

Was machen? Man könnte durch selbstberuhigung reagieren, und gewiß kann man meine Nachricht »Und nochmal zum ›Manifest‹« so lesen und beobachten und verstehen … dagegen kann ich nichts machen und dagegen keine guten gründe angeben… »Von seiner perspektive hat er ja recht. Ich von meiner aber auch.« … Ein »Du machst ja x – warum nicht y?« steckt da ja durchaus drin (steckt ja auch in deiner antwort: »Du bist ja kritisch x, warum nicht y?«)

Und ja, da hast du ganz recht, ich könnte deine antwort als pitches beobachten, als vorschläge für alternativen; und dabei ist viel intelligentes und das ist sehr lohnenswert. … Und ich versuch ja immer und gern und eifrig und so, das mitzumachen:

»Schau, die sache ist auch bei dir so, also …«, schrieb ich in meiner antwort – da antwortest du (ungefähr): »Ja, aber das bringt ja auch nichts.« Und beobachtest’s als kritk, die ja auch nur widersprüchlich ist und zirkelt und und und … – aber ja, klar, da bringt das nichts. Aber wir könnten das ja mal statt als selbstberuhigungsversuch (kritikkritik) als (selbst-)beunruhigungsversuch beobachten: »Du hast ja das gleiche problem (kritikkritik), aber du hast recht, ich habe das problem und ich weiß nicht weiter. Aber statt wissen anzubieten, will ich weiter mitmachen und mach mit – auch gern widersprüchlich und mit gefahr ganz anders beobachtet zu werden und das mit guten gründen… also ungeachtet der erfolgssicherung: zwingend überzeugendes wissen habe ich nicht – nur den versuch, wat auf dich zu schreiben oder sagen …

So eben könnt man’s auch lesen oder verstehen oder beobachten; und wenn du fragst warum, habe ich darauf nur die antwort: warum nicht? Deine beobachtungen kann ich nicht erzwingen – und dann kannst du mich für meine beobachtungen und für deine beobachtungen verantworten und fordern: »Mach mal so.« Oder ich kann dich für deine beobachtungen und meine beobachtungen verantworten und fordern: »Mach mal so.« (der satz hier vorstehende satz wäre das ja: du beobachtest mich falsch und ich habe alles recht dich so zu beobachten!). Oder wir könnten beide einen vorschlag machen: »Mach mal so, schau mal so, sieh mal hier …«

Und jetzt ist sicher wer falsch und wer richtig liegt oder bald ist es sicher – oder aber: alles ist unsicher …


Interessant fände ich jetzt noch folgendes: wie wohl ein dritter da jetzt draufschaut? Denn der/die könnte ja uns so beobachten, als kritisierten wir beide uns, oder aber der eine kritisierte und der andere nicht, oder aber beide spielten ein spiel – vielleicht könnt er/sie ja sogar denken: das ist nicht nur ein spiel, die spielen gerade mit mir! Ja, da dieser @adloquii und dieser @ReisAgainst und dieser @bertrandterrier die kommunizieren doch im hintergrund, die sprechen sich ab und warten nur darauf, daß ich was tu und wollen schauen, was ich tu! Verschwörung, vertrickstes experiment, von sowas reden die doch auch!

Jedenfalls: man kann sehr verunsichert sein, was hier eigentlich der fall ist, oder ob überhaupt was der fall ist, außer dem fall von sicherheiten; oder ob das schon wieder quark ist.


So oder so ist das hier wohl die genannte onanie-verschwendung. Ja, das ist mindestens ’nen dreier, vielleicht ’ne orgie: totale verunsicherungen, wer hier wie was mit wem in welchen stellungen … und die wixe fliegt verschwenderisch irgendwo auf den boden … – Aber für’s aufhören ist die faszination zu groß …


* Dies ist eine antwort eines längeren austausches, von dem ich nur auf den (für diese antwort) letzten anknüpfungspunkt verweise: https://t.co/w4XrJJDQzp