Gebetsscheißerle

EINE ANEKDOTE ZUR VERSACHLICHUNG


Vor einigen Tagen erzählt mir ein Freund folgende Anekdote:

In der Schule seiner Tochter gebe es ein Klassenkuscheltier, welches über das Wochenende von einem der Kinder mit nach Hause genommen werden dürfe. Auch seine Tochter hätte es gerne einmal mitbekommen, war bisher jedoch nicht an die Reihe gekommen. Sie kommt auf eine Idee: Man könnte es mit beten versuchen. Als sie nach einigen Wochen tatsächlich mit dem Klassenkuscheltier nach Hause kommt, erzählt sie, daß das Beten nicht geholfen habe. Da dasBbeten nicht half, kam sie auf den Gedanken, daß Gott vielleicht nicht wolle, daß sie das Kuscheltier bekomme – weshalb sie von da an dafür betete, es gerade nicht mitnehmen zu dürfen. Zum nächsten Wochenende durfte die Tochter dann das Kuscheltier mit nach Hause nehmen.


Dies ist eine sehr spannende Geschichte, hat die Tochter meines Freundes doch zweierlei bewiesen: Eine Ernsthaftigkeit in der Sache bei gleichzeitigem gewitzten Reflexionsvermögen. Gott tue nichts ohne Grund; wenn das Gebet nicht helfe, müsse das Ausbleiben des Gebetserfolges seinen Grund haben, der – wegen Gottes Allmacht blieb keine andere Möglichkeit – nur in dessen Antipathie gegenüber ihren Wünschen bestehen könne. Den Versuch umzudrehen lag nahe.

Dies kann man Versachlichung nennen.