Der Wissenschaft ihre Autörchen

Beitrag zum ›Studierendenvortrag Philosophie WS18/19‹ der Humboldt-Universität Berlin. Freundlichst bearbeitet von @ReisAgainst

Prolog: Arbeit am Unbekannten

Vorweg: Wissenschgaftstheorie läßt sich nicht intelligent in Wissenschaftsphilosophie, Wissenschaftssoziologie & Wissenschafstgeschichte zerteilen. Auch und erst recht nicht mithilfe des akademischen Poptrips »Interdisziplinarität« – die dann nur die disziplinären Grenzen stärken würde (die Überschreitung setzt die Grenze).

Wissenschaftstheorie ist die Selbstbeschäftigung der Wissenschaft. D.h. sie ist Wissenschaft der Wissenschaft unter Bedingungen der Unschärfe: Es ist noch nicht klar, worum es überhaupt geht. Wissenschaftstheorie ist damit die konsequente Selbstausreizung der Wissenschaft. Diese ist nämlich nicht »ein Unternehmen das Wissen schafft«, sondern das Wissen, wo es sich selbt beschäftigt; was es nur kann, indem es sich gegenüber unsicher verhält. Das ist noch im lateinischen Begriff der scientia enthalten, die sowohl Wissen wie Wissenschaft meinte (nicht: »meinen KONNTE«). Es ist die theologische Frage: »Utrum de divinis possit esse aliqua scientia« / »Kann es vomm Göttlichen ein Wissen geben?« die dann eine Unterscheidung provoziert zwischen Wissen und Wissen; oder im Rückgriff auf eine Figur Schlegels: gewisses Wissen und ungewisses Wissen. Das letztere kann nun als Wissenschaft für alle Fragen erlaubt werden, ohne sich im christlich-religiösen Feld durch superbia zu versündigen. So machte sich die Theologie selbst überflüssig, denn ungewisses Wissen erzeugte eine Paradoxie, die innertheologisch nicht haltbar war.

Wie Wissenschaft also ungewisses Wissen, ist Wissenschaftstheorie immer unwissenschaftliche Wissenschaft und verfährt spekulativ (wenn sie nicht alternativ nur Reproduktion der Wissenschaft auf einer höheren Ebene ist. (Das Wort dafür war lange Zeit: Apodiktik.)) Ein solches Unterfangen wartet mit besonderen Schwierigkeiten auf: Schwierigkeiten von Selbstreferenzen, die für Unschärfe sorgen und sich in Methodenunsicherheit merkbar machen. Klar ist nur: Man kann sich beim betreiben von Wissenschaftstheorie nicht auf Wissenschaft verlassen.